Jakob Penndorf
Experte für Geldanlage, Fonds und ETFs

The Winner takes it all

28.11.2016 10:27

In der Finanzwelt ist die Verzerrung des Teilnehmerfeldes zugunsten „überlebender“ Produkte ein Problem. Wie in vielen anderen Bereichen unseres Lebens berichten Medien und Werbung nur über die Gewinner, selten über die unzähligen Verlierer. Das verführt Anleger zu falschen Schlussfolgerungen.

Der in der Fachwelt als „Überlebensirrtum“ (auch „Survivorship Bias“) bezeichnete Fehlschluss ist ein Alltagsphänomen. Während Millionen Fans das Jetset-Leben ihrer Hollywood-Stars verfolgen (deren wirklich erfolgreicher Anteil sich an zwei Händen abzählen lässt), sieht keiner die unzähligen Schauspieler, die zwischen Castings Kaffee bei Starbucks verkaufen. Die verzerrte Wahrnehmung zieht jedes Jahr tausende junger Menschen nach Los Angeles, die ihre Eltern mit den vermeintlich sicheren Aussichten auf eine Millionen-Dollar-Gage um den Schlaf bringen.

In der Finanzbranche trifft diese Beobachtung auf den Fondsmarkt zu, da erfolglose Fonds nach einer bestimmten Zeit von Banken aufgelöst werden. Die Summe aller am Markt zur Verfügung stehenden Produkte weist demnach bessere Renditen aus, als sie tatsächlich sind (würde man die geschlossenen Fonds mit in die Bilanz einbeziehen).

In einem älteren Artikel (Neue Studie setzt Fondsindustrie unter Druck) stellte ich dieses Phänomen schon einmal vor. Während bereits das „Gewinnerfeld“ der aktiven Fonds eher unterdurchschnittliche Renditen präsentierte, versetzte die von S&P Dow Jones Indices durchgeführte Analyse unter Einbeziehung des „Survivorship Bias“ dem aktiven Fondsmarkt den Todesstoß.

In einigen Märkten gelang es so gut wie keinem einzigen Fondsmanager seine Benchmark (Vergleichsindex) zu schlagen.

Wie drastisch sich das für Anleger auswirken kann, zeigt folgende Analyse.

Von 358 aktiv gemanagten US-Aktienfonds, die Anlegern im Jahr 1970 zur Verfügung standen, waren im Jahr 2012 nur noch 92 „am Leben“. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Fonds erwischt, der wieder geschlossen wird, ist demnach hoch (74%). Selbst wenn man zufällig einen aktiven Fonds auswählt, der den geplanten Zeitraum der Vermögensbildung übersteht, sind die Renditeaussichten düster. Nur vier Fonds schafften eine durchschnittliche Rendite von über 2% pro Jahr. Wohlgemerkt es handelt sich hierbei um reine Aktienfonds. Der S&P 500 erzielte in dieser Periode im Durchschnitt 10% pro Jahr.

Fazit

Auf Basis dieser Ergebnisse lassen sich für einen rationalen Privatanleger nur zwei Schlussfolgerungen ziehen.

1.) Das Teilnehmerfeld aktiver Fonds ist zugunsten der Überlebenden verzerrt. Die Wahrscheinlichkeit einen der Gewinner zu wählen ist äußerst gering und liegt bei 1,1%. (4 Fonds von 358 im Starterfeld)

2.) Selbst wenn es gelingt die Nadel im Heuhaufen zu finden und einen guten Fonds zu selektieren, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieser über einen langen Zeitraum deutlich schlechter rentiert als die Benchmark (Rendite-Abstand der 4 Gewinnerfonds bei 6-7% zur Benchmark).

Günstige S&P 500 Indexfonds gibt es bereits ab 0,05% Managementgebühr pro Jahr. Ihr großer Erfolg (viele ETFs haben über 1 Milliarde Fondsvermögen) sichert einen Platz im Feld der „Überlebenden“.

Viele Grüße

Jakob Penndorf
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