Roland Jegen
Trading Experte

Revision der Konjunkturprognosen

08.02.2019 13:32

Die Aufwärtsbewegung an den Märkten verliert an Schwung. Der DAX  hat erneut einen Anlauf auf den technischen Widerstand bei 11.300 gemacht – und ist wieder gescheitert. Beim Dow Jones  sehen wir das gleiche Bild. Der Index ist bis auf 25.400 Punkte nach oben geklettert. Zur Erinnerung: Das Tief am 24.12. lag im Dow Jones bei 21.800 Punkten. Somit beträgt das Plus seither gute 17%. Das ist ein satter Kursanstieg, der bislang völlig ohne Korrektur geblieben ist.

Inzwischen deuten immer mehr Unternehmenszahlen auf eine abflauende Konjunktur hin. Zuletzt hatte die Fed genau das signalisiert. Aber die Märkte waren überaus optimistisch, weil sie die Hoffnung haben, dass die Fed auf die Zinsbremse treten wird.

Am Donnerstag hat die EU-Kommission die Konjunkturprognose für Europa und Deutschland stark reduziert. Für die Eurozone erwartet die Kommission für 2019 nur noch ein BIP-Plus von 1,3% (bisher 1,9%). Deutschlands BIP soll 2019 nur noch um 1,1% zulegen, statt der bisher prognostizierten 1,8%. Im Jahr 2020 erwartet die EU-Kommission dann wieder eine leichte Steigerung dieser Wachstumsraten.

Die Unternehmen nehmen den Fuß vom Gas. Jüngste Zahlen bestätigen, dass die deutschen Unternehmen im vierten Quartal 0,4% weniger hergestellt haben als im Quartal zuvor. Damit verzeichnen die Unternehmen bereits den vierten Rückgang in Folge.

Das zeigt sich auch bei einigen Rohstoffpreisen. Der Anstieg des Ölpreises verlangsamt sich ebenfalls. Vom Dezembertief der Notierungen ging es ein gutes Stück nach oben. Auch die Ölpreise stoßen bei 55 US-Dollar je Fass ( WTI Öl  ) und 65 US-Dollar je Fass ( Brent Crude Öl  ) an charttechnische Widerstände. Gepaart mit hoher Förderung und der Aussicht auf eine abflauende Konjunktur halten wir das weitere kurzfristige Kurspotenzial zunächst für begrenzt. Wer also seit Dezember auf einen Ölpreis-Anstieg gesetzt hat, sollte jetzt einen Teil der Gewinne realisieren.

Die Abwärtsrevision der Konjunkturprognosen schlägt voll auf den Euro durch. Sowohl gegen den Greenback als auch gegen den Yen geht die Gemeinschaftswährung auf Tauchstation. In den kommenden drei Monaten dürfte der Euro die schwächste Währung unter den drei großen sein. Die US-Konjunktur ist noch robuster als die europäische und die US-Notenbank Fed hat Handlungsspielraum. Japan gilt in Asien als sicherer Hafen. Europa ist dagegen auch politisch angeschlagen und hat mit Italien (hohe steigende Schulden und Rezession) und Brexit-Unsicherheit zu tun.

Vor dem Hintergrund rücken strategisch auch wieder Gold  und Silber in den Fokus. Die Edelmetalle sollten als Absicherung in keinem Portfolio fehlen. Wir halten eine Gewichtung von 5% bis 10% für ausreichend.

Fazit: Die Aktienmärkte folgen wieder der Entwicklung der Fundamentaldaten. Zudem spricht die Taktik nach dem starken Anstieg für Gewinnmitnahmen. Der DAX wird in Richtung 11.000 Punkte zurückfallen. Im Dow kann es bis 24.000 Zähler abwärts gehen. Quelle: Stefan Ziermann, Fuchs Kapital
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